So heißt eine neue Bewegung im Internet. „Wozu das dritte Handy, den sechsten Schal oder das zehnte Parfüm verschenken, wenn es doch schönere Dinge im Leben gibt?“ Nämlich sich Zeit nehmen für andere Menschen…..

Und diese neue Bewegung wird mir immer wieder bewusst.

Vor kurzem ist mein Stiefopa gestorben. Ich hatte jetzt nicht so den Kontakt zu ihm. Traurig fand ich es aber für meine Oma, die nun alleine ist. Nach einer gescheiterten Ehe sich nochmal mit fast sechzig Jahren zu verlieben – dazu gehört einiges. Sie hatte also nochmal das Glück einen Mann zu finden, mit dem sie fast 15 Jahre zusammen war. Ich muss ihm sehr hoch anrechnen, dass er als nierenkranker Patient auf eine Spenderniere verzichtete, weil es ihm (wörtlich) wichtiger war, dass ein junger Patient, der sein Leben noch vor sich hat, eine zweite Chance bekommt. Er hätte sein Leben so gut wie gelebt. Da war er aber erst 62 Jahre alt. Es war sein Todesurteil auf Zeit. Für diese Entschlossenheit und Mut danke ich ihm sehr. Was folgten waren jahrelange Dialyse ohne Erfolgsaussicht.

Nachdem mein Stiefopa acht Jahre durchgehalten hatte entschlief er vor kurzem. Ich versuchte meine Oma so viel wie möglich zu unterstützen. Begleitung zu Behörden, Ausflüge in die Stadt, einfach mal ein Eis essen gehen oder in die Gärtnerei und ein paar Blumen betrachten, durch die Stadt schlendern, in den Buchladen schleifen oder einfach zum Kaffee trinken rumkommen.

Ich fand diese Besuche und Ausflüge total schön und hatte auch das Gefühl etwas Gutes zu tun. Ein fader Beigeschmack war nur, wenn sie mir Geld zusteckte. Klar, ich bin ihre Enkelin, aber ich wollte nicht für die Besuche „bezahlt“ werden. Sie meint es nicht böse, aber wir haben uns schon etwas gestritten, wenn ich das Geld mit verschränkten Armen abgelehnt habe.

Ich genieße die Ausflüge, ich mache es gerne. Und ich tue diese Dinge nicht für Geld, sondern weil ich weiß, dass sie etwas einsam ist.

Vor kurzem traf ich auch unsere Nachbarin. Sie ist schon älter und kann nicht mehr so gut gehen. Da hab ich ihr vor kurzem angeboten, wenn sie mal Hilfe mit dem Einkauf und den Tüten braucht, soll sie einfach bei mir klingeln und ich fahr mit ihr dahin. Ganz entrüstet guckte sie mich an und sagte zu mir: „Du hast doch schon so viel zu tun, das kann ich nicht verlangen“! Ich antwortete nur knapp, dass es doch nur ein paar Minuten wären. Die kann ich auch mit Helfen verbringen anstatt vor dem Fernseher.

Vor ein paar Wochen ungefähr sah ich das eine ältere Frau Hilfe brauchte mit ihren schweren Tüten. Ich fragte, ob ich ihr helfen könne und sie guckte mich böse an und sagte „nein danke“!

Ach, ich habe noch so unzählig viele Bespiele!

Wie kommt es, dass die Leute so erschrecken, wenn man ihnen Hilfe anbietet?

Gilt mittlerweile das Motto: „Wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht?“

Ich kann dies nicht akzeptieren. Ich habe zwei gesunde Hände und zwei gesunde Arme und so lange ich gesund bin, kann ich doch anderen Menschen helfen. Ich finde das ist das mindeste was man tun kann. Haben wir uns alle schon so weit voneinander entfernt, dass es uns fremd vorkommt, wenn wir uns für andere Menschen verantwortlich fühlen?

Zurück zur Bewegung „Zeit statt Zeug“.

Dort wird einem bildlich veranschaulicht, was man anstatt Konsümgüter kaufen noch tolles für jemand anderes machen kann. z.B. Vorlesen statt ein Buch verschenken, Stricken beibringen statt einen Pullover verschenken und dazu gibts dann schöne Statistiken.

Aber schaut selbst:

http://www.zeit-statt-zeug.de/

Viel Spaß beim Stöbern und man kann auch seine eigenen Ideen mit einbringen. Wann verbringst du mehr Zeit mit anderen Menschen???

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